Was unseren Experten Hoffnung macht

Es gab für Fixed-Income-Investoren in den vergangenen Wochen und Monaten gleich ein ganzes Bündel an negativen Nachrichten zu verarbeiten. Neben einer allgemeinen Wirtschaftsabschwächung in den großen Volkswirtschaften, führten die nach wie vor ungeklärten Konflikte (Handelskonflikt USA versus China, Italien, Brexit) zu einem deutlichen Sell-Off in den Risikomärkten.


Es gab für Fixed-Income-Investoren in den vergangenen Wochen und Monaten gleich ein ganzes Bündel an negativen Nachrichten zu verarbeiten. Neben einer allgemeinen Wirtschaftsabschwächung in den großen Volkswirtschaften, führten die nach wie vor ungeklärten Konflikte (Handelskonflikt USA versus China, Italien, Brexit) zu einem deutlichen Sell-Off in den Risikomärkten.

„Ungeachtet des schwierigen Marktumfelds gehen wir davon aus, dass die Konflikte schrittweise abgearbeitet werden“, schaut Jens Franck, Portfoliomanager des Hamburger Fixed-Income-Experten nordIX, zuversichtlich in die Zukunft. So etwa beim Handelskonflikt. Franck verweist darauf, dass die ungelösten Fragen im Handelskonflikt zwischen den USA und China auf dem G20-Gipfel in Buenos Aires angesprochen wurden und es zumindest eine Annäherung gab. Inwieweit die darauffolgenden 90 Verhandlungstage einen positiven Ausgang finden, ist nach Ansicht des Experten zwar ungewiss. Für beide Länder dürfte jedoch bei anhaltender Wirtschaftsabflachung ein Konsens in den wesentlichen Punkten entscheidend sein, nachdem die bisher erhobenen Zölle einen schon spürbaren abträglichen Einfluss auf das BIP-Wachstum beider Länder hatten.

Und auch in Italien gibt es Anzeichen für eine Einigung mit der Europäischen Union. „Während wir von Seiten der italienischen Regierung Einigungsbereitschaft erkennen können, um das Defizitverfahren zu verhindern, hat auch die EU Signale gegeben, selbst leichte Zugeständnisse zu akzeptieren“, erläutert Franck. Gerade die aktuelle Entwicklung in Frankreich mit einer noch höher liegenden Neuverschuldung könne als Schwächung der EU-Verhandlungsposition gewertet werden und somit zur Beruhigung der italienischen Spreads führen und die Lösung in die Zukunft verlegen.

"Hard Brexit" eher unwahrscheinlich

Bleibt der Brexit. „Wir erwarten in der zum Teil chaotischen politischen Lage auf der Insel, dass die offenen Fragen rund um die Brexit-Abstimmung den Markt nach wie vor beeinflussen werden“, so Franck und ergänzt: „Grundsätzlich sehen wir sowohl in der EU als auch in Großbritannien Einigungsbereitschaft und erwarten keinen Hard Brexit“. Gleichwohl dürfe die schwierige Ratifizierung des Vertrags und der innenpolitische Druck auf May nicht außer Acht gelassen werden.

Und der Einfluss der Geldpolitik? Laut Einschätzung von nordIX bestätigen die geldpolitischen Positionierungen der großen Notenbanken das Szenario von weiterhin niedrigen Zinsen und einer anhaltenden Unterstützung des Kreditsektors in der Eurozone. Während die Inflationserwartungen weiter zurückgehen, entgeht den Notenbanken der Rechtfertigungsgrund für Zinserhöhungen. „Ganz im Gegenteil erwarten wir bei einer Verschärfung der Lage, dass die führenden Notenbanken marktstabilisierend wirken werden. Wir können uns sehr gut vorstellen, dass die EZB im ersten Quartal erneut den Banken sogenannte Langfrist-Tender zur Verfügung stellen wird“, sagt der Portfoliomanager. Darüber hinaus würden trotz des auslaufenden Wertpapierankaufprogramms Fälligkeiten unter Beachtung der ab Januar neu geltenden Kapitalschlüssel weiter angelegt.  Die neuen Schlüssel werden nach nordIX-Einschätzung nur für Neuanlagen gelten, Altbestände bleiben unberührt.

Gedämpfte Zinserwartung

Die US-Notenbank präsentierte sich derweil in Bezug auf den US-Zinserhöhungszyklus deutlich zurückhaltender. Die Aussagen von Fed-Chef Powell, dass sich das aktuelle Leitzinsniveau nur knapp unterhalb des neutralen Bereichs befindet, ließ zukünftige Zinserwartungen dämpfen. Eine Zinserhöhung der FED im Dezember wird nur noch zu 74 Prozent erwartet. Zudem zeigt sich bei Betrachtung der Eurodollar-Futures, die die Markterwartung für US-Zinsen abbilden, eine erste Zinssenkung in 2020. „Die Fed agiert datenabhängig. Sollten sich die Wirtschafts- und Stimmungsindikatoren weiter eintrüben, bleiben dem US-Zinserhöhungspfad Grenzen gesetzt“, sagt Franck.

Die nordIX-Experten nutzten den jüngsten Sell-Off in den Risikomärkten, der in Teilen zu deutlicheren Kursabschlägen insbesondere bei Tier 1-Nachranganleihen von Banken führten, für Portfolioveränderungen. „Obwohl die Berichtssaison zum dritten Quartal deutlich aufzeigte, dass die Banken fundamental gut aufgestellt sind und ihre Kapitalquoten erhöhen konnten, blieb dies in dem angespannten Marktumfeld völlig unbeachtet“, erläutert Franck. „Infolgedessen haben wir die Möglichkeit gesehen, nachrangige Anleihen etwa der niederländischen NIBC Bank aufzustocken. Wir konnten die Titel zu einem Kurs erwerben, der deutlich unter unserer Bewertung lag.“ Dies zeigt nach Ansicht des Portfoliomanagers die Verkaufsbereitschaft einiger Marktteilnehmer, die in dieser Marktphase ihre Risikopositionen abbauen müssen. Und ein Einsteigen sollte sich lohnen: Geht man von einer Kündigung der Anleihe in 2021 aus, errechnet sich eine Rendite von über 15 Prozent.

Attraktive Papiere im Blick

Und Franck und seinen Kollegen haben noch weitere Kaufoptionen im Blick: „Aktuell sehen wir zusätzlich, dass unter Basel III begebene Additional Tier 1-Anleihen (CoCos) auf attraktiven Niveaus handeln. Obwohl wir zum aktuellen Zeitpunkt keine AT 1-Quote im nordIX Renten plus aufbauen möchten, beobachten wir den Markt sehr genau.“ Die sehr attraktive Verzinsung biete aufgrund der Kursabschläge der vergangenen Wochen oftmals Renditen von über 10 Prozent.

Für die Zukunft sieht nordIX das Portfolio gut diversifiziert aufgestellt. „Wir bleiben daher unserer Strategie treu und nutzen die aktuelle Marktschwäche aktiv und investieren in Opportunitäten in den Kreditmärkten unter regulatorischen- und Kredit-Abwägungen“, sagt Franck.


19.12.2018